Am 2. Juli 2025 kam es in Ostfriesland, insbesondere im Raum Emden bis nach Aurich, sowie im niederländischen Delfzijl zu einer außergewöhnlichen und für Nordwestdeutschland seltenen Wetterlage. Eine Kombination aus sehr günstigen atmosphärischen Bedingungen führte zur Entwicklung eines extrem starken Gewitters, das eindeutig als Superzelle einzuordnen ist. Diese Wetterlage war nicht nur von erheblichem Schadenspotenzial geprägt, sondern wies auch eine sehr hohe Tornadogefahr auf. Nach heutiger Einschätzung ist klar, dass ein Tornado nur knapp verfehlt wurde.
Großräumige Wetterbedingungen
Am Nachmittag lag die Region in einer sehr warmen, feuchten Luftmasse. Gleichzeitig herrschte eine außergewöhnlich starke vertikale Windscherung von etwa 45 Knoten. Das bedeutet, dass sich Windrichtung und Windgeschwindigkeit mit der Höhe stark änderten – eine der wichtigsten Voraussetzungen für langlebige und rotierende Gewitter. Die zur Verfügung stehende Energie für Gewitter (CAPE) lag bei rund 1400 J/kg und war damit für norddeutsche Verhältnisse deutlich erhöht. Besonders kritisch war der Energy Helicity Index (EHI) mit einem Wert von etwa 3, was auf ein signifikantes Tornadopotenzial hinweist.
Zusätzlich bildete sich von der Nordsee her eine bodennahe Konvergenzlinie, ausgelöst durch eine Windrichtungsänderung auf Seewind. Entlang dieser Linie traf kühlere Meeresluft auf sehr heiße Festlandsluft (33 °C). Solche Grenzlinien wirken wie ein Zündmechanismus für Gewitter und liefern zugleich bodennahe Rotation, die von aufsteigender Luft in das Gewitter aufgenommen werden kann.
Entwicklung der Superzelle
Entlang dieser Konvergenzlinie entwickelte sich östlich von Groningen eine einzelne, klar abgegrenzte Gewitterzelle, die sich rasch zu einer voll ausgeprägten Superzelle organisierte. Radarbilder zeigten eine ausgeprägte Rotation im Aufwindbereich (Mesocyclon). Auffällig war zudem, dass sich nördlich der Hauptzelle weitere kleinere rotierende Aufwindkerne bildeten. Dies deutet auf eine insgesamt extrem rotationsfreundliche Atmosphäre hin, in der bereits kleinere Gewitteransätze begannen, Drehbewegungen aufzunehmen. Eindeutig ist auch eine Hakenstrukur der Zelle erkennbar, wie sie sonst nur bei Superzellen in den USA auftreten.
Die Superzelle produzierte außergewöhnlich intensiven Niederschlag und extrem großen Hagel. Im Stadtgebiet von Emden wurden Hagelkörner mit Durchmessern von bis zu etwa 9 Zentimetern beobachtet. Solche Hagelgrößen zählen in Mitteleuropa zu den seltensten Extremereignissen und sind nur bei extrem starken, sehr langlebigen Aufwinden möglich. Sie gelten als eindeutiger Hinweis auf einen außergewöhnlich intensiven Mesocyclon.
Bodenbeobachtungen und Druckverlauf
Messungen der Wetterstation Großen Meer liefern zusätzliche Hinweise auf die besondere Dynamik des Gewitters. Der Luftdruck stieg gegen 17:30 Uhr zunächst von etwa 1012 auf 1014 hPa an, was typisch für das Herannahen eines kräftigen Abwindbereichs ist. Kurz darauf fiel der Luftdruck innerhalb kurzer Zeit wieder auf etwa 1012 hPa ab. Ein solcher schneller Druckabfall ist charakteristisch für den Durchzug eines sehr starken Aufwindkerns und wird bei intensiven Superzellen beobachtet.
Die gemessene Niederschlagsmenge lag bei 16 mm.
Einordnung der Gefahrenlage
In der Gesamtschau aller Parameter – starke Windscherung, ausreichend hohe Energie, sehr hoher EHI-Wert, eine ausgeprägte bodennahe Konvergenzlinie, bestätigte Rotationssignaturen im Radar sowie der beobachtete Druckverlauf und der große Hagel – handelte es sich um eine hochgradig gefährliche Wetterlage. Meteorologisch betrachtet lagen nahezu alle Voraussetzungen für die Entstehung eines Tornados vor.
Fazit
Der 2. Juli 2025 zählt für Ostfriesland zu den außergewöhnlichsten Gewitterereignissen der vergangenen Jahrzehnte. Die beobachtete Superzelle erreichte eine Intensität, wie sie in Mitteleuropa nur sehr selten dokumentiert wird. Hagel mit Durchmessern bis zu 9 Zentimetern, kombiniert mit einer stark rotierenden Gewitterstruktur, macht dieses Unwetter zu einem Extremeregnis. Es zeigt, dass auch in Nordwestdeutschland unter seltenen Bedingungen Wetterlagen auftreten können, die mit den gefährlichsten Gewittern in Amerika vergleichbar sind.
Am Abend des 12.08.2024 waren über Ostfriesland, zeitgleich zum Maximum der Perseiden ausgeprägte Nordlichter zu sehen. Die Ursache liegt in der ausgeprägten Sonnenaktivität, die in den Tagen vorangegangen war. Zudem nähern wir uns dem Maximum des Elfjährigen Sonnenzyklus an. Über Norddeutschland sind so starke Nordlichter selten.
Erneut Starkregen in Südbrookmerland, der Ringkanal ist an seiner Belastungsgrenze. Besonders in Moordorf, Westerende, Theene und Victorbur floss das Wasser nicht mehr ab und Gewässer traten, wie so häufig in den letzten Jahren über die Ufer. Feuerwehren aus der ganzen Region, darunter aus Emden waren mit Pumpen im Einsatz. Binnen kurzer Zeit hatte es an die 100 mm Regen gegeben – zu viel für den Ringkanal und die ohnehin schon stark belastete Entwässerungssituation im tief gelegenen Moordorf. Es gab zahlreiche Wasserschäden und Anwohner waren und sind nach wie vor unzufrieden mit dem Entwässerungssystem in Moordorf und verlangen, dass die Gemeinde handelt, sodass es nicht mehr zu derartigen Überflutungen kommt.
Aufgrund der fortschreitenden Erwärmung durch den Klimawandel nimmt die Wassermenge in Form von Dampf in der Atmosphäre weiter zu, womit derartige Ereignisse immer wieder und wahrscheinlich sogar häufiger auftreten werden.
Am 21.02.2022 und den darauffolgenden Tagen wurden zahlreiche Straßen und Grundstücke des Feriengebiets Großes Meer überschwemmt. Starker Regen hatte dazu geführt, dass sich extreme Wassermassen in den Niederungen Ostfrieslands und auch im Große Meer sammelten und Gewässer über die Ufer getreten sind. Einige Häuser wurden komplett überschwemmt. Die Feuerwehr und Mitarbeiter des Bauhofs von Südbrookmerland setzen Sandsäcke ein, um Schäden zu verhindern, was aber nur begrenzt gelang.
Besonders betroffen war der Hasenweg und Reiherweg an der Wiegboldsburer Riede. Die meisten der dortigen Häuser dienen als Ferienunterkünfte und sind nicht dauerhaft bewohnt. Die entstandenen Schäden waren erheblich. Auch das Technische Hilfswerk wurde hinzugezogen, um mit Sandsäcken zu helfen. Da auch die elektrischen Anschlüsse unter Wasser liegen, hatte der Energieversorger EWE die Stromversorgung abgestellt.
Der Entwässerungsverband Emden war alarmiert, da alle Gewässer im Verbandsgebiet überfüllt sind. Verschiedene Faktoren haben zu dieser Situation beigetragen: Eine Sturmflut hatte den Abfluss ins Meer stark erschwert und hohe Wasserstände außerhalb der Deiche machten das Sielen unmöglich.
Innerhalb von 6 Tagen hatte es auf bereits gesättigtem Boden 90 mm geregnet.
In der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 2022 erreichte uns nach längerer Zeit wieder ein ausgewachsener Orkan in Ostfriesland. Es gab diverse Schäden, insbesondere umgestürzte Bäume, Dachziegel, die umhergeflogen sind, sowie viele Sachschäden. Dazu ist eine schwere Sturmflut an der ostfriesischen Küste aufgetreten. Da es in den vergangenen Wochen zu starken Regenfällen gekommen war, waren die Böden aufgeweicht. Baumwurzeln hatten weniger Halt und Bäume wurden durch die Orkanböen teils mühelos umgeworfen.
Auf den Inseln wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 169 km/h erfasst, im Binnenland waren es etwa 110 bis 120 km/h. Es handelte sich also um einen für die Region "normalen Orkan", der keine Rekordwerte erreichte.
Dennoch stellt dieser Sturm einen neuen Rekord für die Wetterstation Großes Meer dar. Die Wetterstation, die im November 2013 installiert wurde, hat einen neuen Windrekord erreicht. Es wurde um eine orkanartige Böe von 114 km/h (11 bft) gemessen. Es handelt sich damit um den stärksten Orkan seit 9 Jahren. Der letzte noch schwerere Orkan, der Ostfriesland traf, war Orkan Christian im Oktober 2013.



























