Tornado im Bereich Krummhörn/ Außenems

In der Nacht zum 20. Juni 2026 trat zwischen etwa 00:30 Uhr und 01:15 Uhr MESZ im Bereich der Außenems bzw. der Krummhörn/ Leybucht ein Tornado auf. Der Wirbel wurde mehrfach fotografisch dokumentiert und gilt aufgrund der vorliegenden Aufnahmen als bestätigt.

Die erste Aufnahme entstand um 00:31 Uhr von Bedekaspel aus mit Blick Richtung Knock. Sie zeigt einen deutlich ausgeprägten, konischen Trichter unter einer stark abgesenkten Wolkenbasis. Der Trichter hat hier keinen vollständigen Bodenkontakt, reicht aber sehr weit herunter. Eine zweite Aufnahme um 00:41 Uhr dokumentiert den Wirbel erneut, diesmal schlanker und tiefer bzw. sogar mit Bodenkontakt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Tornado weiter nördlich im Bereich der Außenems beziehungsweise des Wattenmeeres vor der Krummhörn. Die Auswertung der Aufnahmerichtungen lässt ein mögliches Tornadogebiet zwischen der Emsmündung, den vorgelagerten Wattflächen und der Küstenlinie der Krummhörn erkennen.

Eine Schadensschneise an Land konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Weitere Fotografien von anderen Augenzeugen aus Norden, Norderney und Hage belegen jedoch einen Bodenkontakt beziehungsweise Kontakt zur Wasseroberfläche, sodass der Fall als bestätigter Tornado geführt werden kann.

Meteorologisch entstand der Tornado im Zusammenhang mit einer außergewöhnlich kräftigen Gewitterlage über Nordwestdeutschland. Am 19. Juni 2026 befand sich Ostfriesland zunächst in einer sehr warmen und feuchten Luftmasse. Die Temperaturen lagen tagsüber deutlich im hochsommerlichen Bereich über 30°C, während gleichzeitig die Taupunkte hoch blieben und große Mengen an Energie für die Gewitterentwicklung bereitstellten. Der sogenannte Cape Wert war mit 3900 J/kg außergewöhnlich hoch.

Am Abend näherte sich von den Niederlanden her eine markante Gewitterlinie, die sich zu einem umfangreichen mesoskaligen konvektiven System entwickelte. Die Blitzaktivität war mit über 12.000 erfassten Blitzen sowie einer Blitzrate von bis zu 135 Blitze pro Minute außerordentlich hoch. In Ostfriesland wurden zahlreiche Schäden durch umgestürzte Bäume und abgedeckte Dächer gemeldet. Teilweise wurden Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h registriert (Wangerland und Spiekeroog), am Großen Meer wurden mit 89 km/h schwere Sturmböen erfasst. Diese Schäden sind flächig in Ostfriesland mit den Gewitterböen entstanden und stehen nach aktuellem Informationsstand nicht mit dem Tornado in Verbindung. Entlang der vorgelagerten Böenfront sowie innerhalb einer eingebetteten rotierenden Gewitterzelle herrschte eine ausgeprägte Windscherung. Diese Bedingungen begünstigten die Ausbildung rotierender Aufwinde und lokaler Mesovortizes. Beim Überqueren der Emsmündung entwickelte sich unter einer abgesenkten Wolkenbasis schließlich der dokumentierte Tornado.

Die vorliegenden Fotografien deuten auf einen vergleichsweise kompakten, aber gut organisierten Wirbel hin. Die nachfolgenden Videoaufnahmen zeigen den durch Blitze angeleuchteten Trichter.

Video des Tornados:

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